{"id":12785,"date":"2021-12-28T10:00:11","date_gmt":"2021-12-28T09:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ikp.at\/?p=12785"},"modified":"2023-03-22T10:42:00","modified_gmt":"2023-03-22T10:42:00","slug":"zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie-ihren-risikomanager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ikp.at\/de\/blog\/know-how\/zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie-ihren-risikomanager\/","title":{"rendered":"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Risikomanager"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wir leben in unruhigen und sich sehr schnell \u00e4ndernden Zeiten. Risiken treten ein und werden von anderen Krisen \u00fcberholt. Katastrophen und Pandemien sind an der Tagesordnung und werden uns in den n\u00e4chsten Jahren weiterhin begleiten. Wie kann man in dieser Welt eine ad\u00e4quate Risikokommunikation entwickeln und was versteht man \u00fcberhaupt darunter? Management-Berater Dr. Franz Fischer, MBA, im Gastkommentar.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Zuallererst muss man Begriffliches trennen. Risikokommunikation ist nicht dasselbe wie Krisenkommunikation, wird aber in der Praxis oft verwechselt bzw. vermischt. F\u00fcr den Begriff Risiko gibt es unterschiedlichste Definitionen, eine allgemeing\u00fcltige f\u00fcr den Bereich Wirtschaft bietet jedoch die Normreihe ISO 31000:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Risk is an effect of uncertainty on objectives<\/em><\/p>\n<p>Gekennzeichnet ist das Risiko durch Zukunftsbezogenheit, Unsicherheit der Auswirkungen und die formulierten Ziele. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Auch der Begriff der Krise ist umf\u00e4nglich definiert, unterschiedliche Fachbereiche definieren diesen Begriff unterschiedlich. Eine Krise kann zwischen zwei Menschen auftreten, in einem Unternehmen, aber auch zwischen zwei oder mehreren L\u00e4ndern. Generell kann man jedoch \u00fcber alle Begriffsdeutungen sicherstellen, dass eine Krise entsteht, wenn ein Risiko oder mehrere Risiken eingetreten sind oder gerade eintreten. Die Krise ist daher immer den Risiken nachgelagert und ein sog. \u201eAKUT\u201c Problem, wenn ein Risiko schlagend wird.<\/p>\n<p>Davon ist abzuleiten, dass Risikokommunikation und Krisenkommunikation zwei verschiedene Teilbereiche sind, die jedoch zueinander in Abh\u00e4ngigkeit stehen. Risikokommunikation ist planbar, ereignisunabh\u00e4ngig und universell einsetzbar. Sie kann mit Hilfe geeigneter Methoden und Darstellungsformen dazu beitragen, dass ein allgemein besseres Verst\u00e4ndnis von Risiken und deren Zusammenh\u00e4nge stattfindet.<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten der aktuellen Corona Pandemie l\u00e4sst sich das sehr anschaulich beschreiben. Die Krisenkommunikation \u00fcber das t\u00f6dliche Virus ist dann eingetreten, sobald die ersten F\u00e4lle von COVID in Europa aufgetreten sind, also ungef\u00e4hr im Februar 2020, in China jedoch schon ein paar Monate fr\u00fcher. Die Risikokommunikation des Risikos Pandemie gibt es jedoch schon seit vielen Jahren, wie auch der Risikoreport des World Economic Forum zeigt. Seit 2005 ist das globale Risiko Pandemie auf dem Radar dieser Vereinigung und auch heuer ist dieses Risiko f\u00fcr die Zukunft als relativ hoch eingestuft .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Ziele der Risikokommunikation<\/h2>\n<p>Prim\u00e4res Ziel der Risikokommunikation auf Unternehmens- aber auch auf Gesellschaftsebene sollte es sein, das Verhalten der Mitarbeiter*innen bzw. der Bev\u00f6lkerung so zu beeinflussen, dass Sch\u00e4den aus dem Risikoeintritt mit geeigneten Ma\u00dfnahmen vermindert bzw. reduziert werden. Dabei sind folgende Funktionen der Risikokommunikation von zentraler Bedeutung:<\/p>\n<ul>\n<li>Aufkl\u00e4rung \u00fcber Risiken<\/li>\n<li>Aufbau von Vertrauen in verantwortliche Institutionen<\/li>\n<li>Erm\u00f6glichung eines Dialogs zwischen den beteiligten Stakeholdern, also allen relevanten Interessengruppen und involvierten Parteien<\/li>\n<\/ul>\n<p>Anhand eines allgemein g\u00fcltigen Beispiels soll das Problem mit Wahrscheinlichkeiten, Chancen und Risiken kurz erl\u00e4utert werden. Roulette Spiele eines Casinos funktionieren auf der ganzen Welt nahezu gleich:<\/p>\n<p>M\u00f6chte man auf eine Nummer setzen, hat man 37 verschiedene M\u00f6glichkeiten, von 0 bis 36. Die Eintrittswahrscheinlichkeit f\u00fcr eine beliebige Zahl in einem Spiel bzw. die Chance, in einem Spiel zu gewinnen ist daher 1\/37 oder 2,7%. Das Risiko eines Verlusts hingegen ist 36\/37 oder 97,3%. Der Auszahlungsbetrag hingegen im Gewinnfall ist das 35-fache des Einsatzes, wenn man den Einsatz als Trinkgeld f\u00fcr den Croupier gibt. Damit reduziert sich der Erwartungswert des Gewinns auf -5,4% des Einsatzes \u2013 und das gilt f\u00fcr jedes einzelne Spiel. Wohl gemerkt gelten diese Verh\u00e4ltnisse nur wenn sie dauerhaft gespielt werden, mit einer \u201eunendlichen\u201c Anzahl von Spielen. Punktuell kann man sehr wohl sehr hohe Gewinne machen, im Schnitt jedoch und langfristig ist der einzige Gewinner im Roulette das Casino.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Stolpersteine in der Risikokommunikation<\/h2>\n<p>In der Theorie sind diese Beispiele sehr gut nachvollziehbar, es gibt jedoch gen\u00fcgend Stolpersteine in der Praxis zur optimalen Risikokommunikation:<\/p>\n<ul>\n<li>Risiko ohne Bezugsrahmen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jeder kennt es. Die meisten haben es auf ihrem Smartphone \u2013 die Wetter App. Aber auch wenn sie nach den Nachrichten im TV das Wetter zu sehen bekommen, folgen S\u00e4tze wie: \u201eDie Regenwahrscheinlichkeit betr\u00e4gt 70%.\u201c Oder \u201eWahrscheinlich wird es morgen zu 70% regnen\u201c Doch was bedeutet das jetzt konkret? Wird es in den n\u00e4chsten Tagen zu 70% regnen, also in 7 von 10 F\u00e4llen den ganzen Tag oder eben nur 7\/10 des Tages \u2013 oder mehrmals im gesamten Tagesverlauf? Welches Gebiet ist \u00fcberhaupt davon betroffen, nur 70% des besprochenen Gebiets oder haben sich 10 Wetterreporter eine interne Umfrage durchgef\u00fchrt und 7 davon sind der Meinung, dass es morgen regnen wird? Es fehlt der Bezugsrahmen, der bei Wahrscheinlichkeiten eben immer anzugeben ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Mathematik und Statistik als Grundvoraussetzung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ist das Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten schon herausfordernd genug, so sind die Fundamente \u2013 Rechnen mit Statistik und Mathematik \u2013 f\u00fcr viele Menschen schon ein \u201espanisches Dorf\u201c. Das zeigen auch die regelm\u00e4\u00dfigen Befragungen von Sch\u00fcler*innen und Student*innen. Regelm\u00e4\u00dfig landet Mathematik neben Physik und Chemie auf den hintersten Pl\u00e4tzen der Beliebtheitsskala . Das Wort Risiko iZm Mathematik, Stochastik und Statistik kommt in den Lehrpl\u00e4nen des BM f\u00fcr Unterricht und Kunst f\u00fcr BHS nicht einmal vor . Hier ist noch viel \u00dcberzeugungs- und Motivationsleistung f\u00fcr das Lehrpersonal n\u00f6tig, um das Methoden- und Basiswissen bzgl. Chancen und Risiken zu etablieren.<\/p>\n<ul>\n<li>Bedingte Wahrscheinlichkeiten:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Beispiel aus der aktuellen Pandemie: Angenommen, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand am Coronavirus erkrankt ist, betr\u00e4gt ungef\u00e4hr 0,36%, Tendenz steigend. Um Viren vom Typ SARS-CoV-2 nachzuweisen, ist ein PCR Test das Mittel der Wahl. Wenn jemand am Coronavirus erkrankt ist, betr\u00e4gt die Wahrscheinlichkeit ca. 90%, dass der Test positiv ausf\u00e4llt. Wenn jemand jedoch nicht am Coronavirus erkrankt ist, betr\u00e4gt die Wahrscheinlichkeit 5%, dass der Test dennoch positiv ist. Angenommen, das Testergebnis der Person ist positiv, dann w\u00fcrde man intuitiv meinen, dass diese Person aufgrund des Tests mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tats\u00e4chlich am Coronavirus erkrankt ist. Das Gegenteil ist leider der Fall. Aufgrund der unterschiedlichen Bezugsgr\u00f6\u00dfen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass \u2013 bei positivem Test \u2013 jemand tats\u00e4chlich an COVID19 erkrankt ist, n\u00e4mlich nur bei unter 10%.<\/p>\n<ul>\n<li>Chancen versus Risiken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sobald man Risiken analysiert hat und auch entsprechende Ma\u00dfnahmen zur Reduktion vorhanden sind, dr\u00e4ngt sich zwangsl\u00e4ufig eine Frage auf: Ist es besser das Risiko zu tragen oder die abgeleiteten Ma\u00dfnahmen umzusetzen? Ist also der Nutzen der Ma\u00dfnahmen h\u00f6her als der Schaden im Falle des Risikoeintritts? Diese Gegen\u00fcberstellung wird in der Literatur etwas altmodisch mit G\u00fcterabw\u00e4gung bezeichnet. Oft ist diese G\u00fcterabw\u00e4gung nicht sofort erkennbar, sie ist jedoch immer vorhanden, wenn es um die Abw\u00e4gung von Chancen und Risiken geht. Konkretes Beispiel kann man in Pandemiezeiten verfolgen, unter anderem die aktuelle Diskussion um Nutzen bzw. Schaden von Impfungen und deren Effekt auf die Ausbreitung des COVID-19 Virus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Augen auf bei der Medienwahl<\/h2>\n<p>Der Kommunikation von Risiken in Bezug auf unterschiedliche Medien sind naturgem\u00e4\u00df sehr unterschiedliche Grenzen gesetzt. Soziale Medien wie zB Twitter eignet sich nicht sehr gut zur Vermittlung von komplexen Zusammenh\u00e4ngen unterschiedlicher Risiken, weil man im Text maximal einen interessanten Link weitergeben kann, aber nicht ausf\u00fchrlich Risiken formulieren kann. Die Darstellung in den sozialen Medien gelingt dann sehr gut, wenn entsprechend gut aufbereitete Videos wie zB von maiLab die komplexen Zusammenh\u00e4nge von Risiken bei Testergebnissen anschaulich beschreiben.<\/p>\n<p>Massenmedien wie Zeitung, TV und Radio sind ein wichtiger Transmitter f\u00fcr die Verbreitung von Informationen von Risiken an die Bev\u00f6lkerung. Grunds\u00e4tzlich besteht dabei das Potenzial, das Wissen um Risikoinformationen transparent und ausf\u00fchrlich wiederzugeben. Damit kann man auch bei verschiedenen Empf\u00e4ngern die Wahrnehmung von Risiken beeinflussen. Wissensl\u00fccken und Unsicherheiten m\u00fcssen dabei ebenfalls kommuniziert werden wie Fakten aus den Bewertungsgrundlagen und allf\u00e4lligen Annahmen. Schlussendlich muss organisatorisch auch mit \u201eeiner Zunge\u201c gesprochen werden, damit keine Verunsicherung aufgrund unterschiedlicher Interpretationen von pr\u00e4sentierten Informationen auftritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-12788\" src=\"https:\/\/ikp.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ikp_PRspektiven_S5-9_Franz-Fischer_c-Franz-Fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"161\" \/><\/h2>\n<p><strong>Dr Franz Fischer, MBA<\/strong><br \/>\n<strong>cSPM, CRMA<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem Betriebsinformatikstudium an der WU Wien kamen erfahrungsreiche Jahre im Vertrieb eines \u00f6sterreichischen Unternehmens in der Finanzdienstleistungsbranche. Danach folgten unterschiedliche Projekte in der Produktions-, der Finanz- und Versicherungsbranche, aber auch im \u00f6ffentlichen Bereich.<\/p>\n<p>Das Doktorat wurde thematisch im Risikomanagement an der WU Wien absolviert, der angeschlossene MBA Lehrgang war eine thematische Vertiefung f\u00fcr die Beratungst\u00e4tigkeit in Bezug auf Risikokomanagement und andere Systeme. Zertifizierungen, die periodisch in den Managementsystemdisziplinen nachgewiesen werden m\u00fcssen, runden das Profil ab.<\/p>\n<p>Seit 1998 wurden die Beratungsaktivit\u00e4ten systematisch um Moderations-, Konflikt- und Probleml\u00f6sungskompetenzen erweitert. Das Spektrum der Beratung reicht von Projektmanagement \u00fcber Prozess- und Risikomanagement bis zu den damit zusammenh\u00e4ngenden Soft Skills. Ein spezieller Fokus des Erfahrungsschatzes liegt im Umgang mit Methoden im Risikomanagement und dessen erfolgreicher Umsetzung.<\/p>\n<p>Weitere Infos unter:<br \/>\nDr Franz Fischer, MBA,<br \/>\nManagementberatung<br \/>\n<a href=\"https:\/\/fischer-consult.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/fischer-consult.at\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Normenstandard ISO 31000:2018.<\/em><\/li>\n<li><em>Otto-Peter Obermeier: Die Kunst der Risikokommunikation, Gerling Akademie Verlag, 1999.<\/em><\/li>\n<li><em>Pierre Basieux: Die Welt als Roulette &#8211; Denken in Erwartungen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/emergency.cdc.gov\/cerc\/ppt\/CERC_Introduction.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>https:\/\/emergency.cdc.gov\/cerc\/ppt\/CERC_Introduction.pdf<\/em><\/a><\/li>\n<li><em>World Economic Forum 2021, 16th Edition of the Global Risk Report 2021 <a href=\"https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Global_Risks_Report_2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Global_Risks_Report_2021.pdf<\/a><\/em><\/li>\n<li><em>BBS-Bildungsstandards-Broschuere-Angewandte-Mathematik-BHS.pdf aus: <a href=\"https:\/\/www.bildungsstandards.berufsbildendeschulen.at\/sites\/default\/files\/broschuere\/BBS-Bildungsstandards-Broschuere-Angewandte-Mathematik-BHS.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bildungsstandards.berufsbildendeschulen.at\/sites\/default\/files\/broschuere\/BBS-Bildungsstandards-Broschuere-Angewandte-Mathematik-BHS.pdf<\/a><\/em><\/li>\n<li><em>Gesch\u00e4ftsbericht PALFINGER 2020 aus: <a href=\"https:\/\/assets.palfinger.com\/cache-buster-1614265822\/i-report-media\/2020\/Dokumente\/PALFINGER_iGB_2020_DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/assets.palfinger.com\/cache-buster-1614265822\/i-report-media\/2020\/Dokumente\/PALFINGER_iGB_2020_DE.pdf<\/a><\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Titelbild: Edgars Sermulis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann man in dieser Welt eine ad\u00e4quate Risikokommunikation entwickeln und was verstehet man \u00fcberhaupt darunter? 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