Wer durch LinkedIn, Instagram oder Unternehmenswebsites scrollt, kennt dieses Gefühl: Alles wirkt professionell, alles ist sauber formuliert und trotzdem klingt plötzlich vieles gleich. Texte, Bilder und Botschaften folgen denselben Mustern, wirken austauschbar und bleiben kaum hängen. Viel Content, wenig Charakter. Viel Oberfläche, wenig Haltung. Für genau dieses Phänomen hat sich inzwischen ein Begriff etabliert: AI Slop.
AI Slop bezeichnet Inhalte, die auf den ersten Blick professionell wirken, aber kaum eigene Perspektive oder Substanz bieten. Dass das längst mehr als ein Internetphänomen ist, zeigt LinkedIn. Die Plattform lässt Nutzer:innen Beiträge und Kommentare inzwischen als „Scheint ein KI Slop zu sein“ melden. Mehr als eine Million Mitglieder nutzten die Funktion bereits innerhalb der ersten zwei Wochen. Gleichzeitig hat LinkedIn seine Systeme zur Erkennung solcher Inhalte ausgebaut. Laut Plattform sind die Aufrufe von Content, der als AI Slop eingestuft wird, dadurch bereits um 40 Prozent zurückgegangen.
Spannend ist dabei, wo LinkedIn die Grenze zieht. Nicht KI an sich ist das Problem. Die Plattform betont ausdrücklich, dass KI beim Schreiben helfen kann. Kritisch wird es dort, wo Inhalte generisch oder repetitiv werden. KI kann die Umsetzung unterstützen, aber das, was einen Beitrag unverwechselbar macht, nämlich Idee, Haltung und die eigene Sichtweise, sollte weiterhin vom Menschen kommen.
Wenn Effizienz auf Wahrnehmung trifft
Für Marken wird genau das relevant. Denn während Unternehmen im Einsatz von KI häufig Effizienz und Innovation sehen, kommt das bei Konsument:innen nicht automatisch genauso an. Eine aktuelle US-Studie des Interactive Advertising Bureau zeigt eine deutliche Wahrnehmungslücke: 82 Prozent der befragten Werbeverantwortlichen glauben, dass Gen Z und Millennials KI-generierter Werbung positiv gegenüberstehen. Tatsächlich trifft das nur auf 45 Prozent der befragten Konsument:innen zu. Bei der Gen Z bezeichneten 30 Prozent Marken, die KI für Werbung einsetzen, als unauthentisch. Nur 23 Prozent der befragten Konsument:innen verbinden den Einsatz von KI mit Innovation.
Das bedeutet nicht, dass Marken auf KI verzichten sollten. Im Gegenteil. KI kann Recherche beschleunigen, beim Strukturieren helfen, Texte überarbeiten oder unterschiedliche Vorschläge liefern. Problematisch wird es, wenn aus dieser Unterstützung ein Ersatz für die eigentliche Kommunikationsarbeit wird. Denn eine Marke entsteht nicht dadurch, möglichst viel Content möglichst schnell zu produzieren. Sie entsteht durch Wiedererkennbarkeit, eine eigene Sichtweise und Inhalte, die für ihre Zielgruppen tatsächlich etwas bedeuten.
KI darf unterstützen, aber nicht die Haltung übernehmen
Die eigentliche Herausforderung für Kommunikationsverantwortliche lautet deshalb nicht: Mensch oder KI? Entscheidend ist, welche Rolle KI im Prozess bekommt. Wer sie als Werkzeug nutzt und Ergebnisse hinterfragt, auswählt und mit eigener Expertise anreichert, kann Kommunikation effizienter machen, ohne die eigene Stimme zu verlieren.
AI Slop entsteht dort, wo genau dieser Schritt fehlt. Wenn aus einem Prompt direkt ein fertiges Posting wird, wenn dieselben Formulierungen immer wieder auftauchen oder wenn Content nur veröffentlicht wird, weil er schnell produziert werden kann, wird Effizienz zur Austauschbarkeit.
Gerade weil KI die Contentproduktion so einfach macht, wird die menschliche Perspektive umso wertvoller. Gute Kommunikation braucht deshalb auch im KI-Zeitalter klare Entscheidungen darüber, wofür eine Marke steht, welche Botschaften zu ihr passen und was für ihre Zielgruppen tatsächlich relevant ist.
Quellen:
How LinkedIn is Continuing to Tackle AI Slop