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So gelingt KI-Sichtbarkeit für Start-ups und kleine Firmen

KI-Sichtbarkeit

Maria Wedenig teilt ihre Erfahrungen als Mentorin und Vortragende der #glaubandich Start-Up Academy der Erste Bank.

Bei der #glaubandich STARTUP ACADEMY der Erste Bank und Sparkassen stellten sich vielen Gründer*innen dieselbe Frage: Wie werden wir für KI-Suchmaschinen relevant, wenn Konzerne mit riesigen Marketingbudgets die Bühne dominieren?

Was oft nur großen, etablierten Unternehmen zugetraut wird, funktioniert genauso für Start-ups und kleine Unternehmen – manchmal sogar leichter, weil weniger historisch gewachsene Inhalte zu bereinigen sind.

Früher musste Google eine Website finden. Heute muss eine KI ein Unternehmen verstehen, einordnen und für die richtige Frage empfehlen können. Menschen vergleichen nicht mehr zehn blaue Links, sie fragen direkt: „Welcher Anbieter passt für mein Problem?“ Wer nachhaltige Mitarbeitergeschenke sucht, fragt heute nicht mehr fünf Websites ab, sondern die KI: „Welche österreichischen Anbieter für nachhaltige Mitarbeitergeschenke würdest du empfehlen?“ Die KI nennt vier oder fünf Namen – geklickt wird oft nur auf einen oder zwei davon.

Das verändert den Wettbewerb grundlegend: Es geht nicht mehr nur um einen guten Platz in der Trefferliste, sondern darum, überhaupt Teil der Antwort zu sein. Gerade für junge Unternehmen ist das eine Chance. Ohne großes Marketingteam, riesige Website oder SEO-Budget zählt für KI-Sichtbarkeit nicht Masse, sondern Klarheit und Substanz.

Bin ich sichtbar?

Ein Bild dazu: Bevor mögliche Kundschaft die eigene Website besucht, fragt sie heute oft zuerst eine KI, was zu ihrem Problem passt. Diese „KI-Verkaufs-Beratung“ prüft, was verfügbar und glaubwürdig ist, und empfiehlt zwei oder drei Lösungen. Entscheidend ist, ob das eigene Unternehmen darin vorkommt – und richtig beschrieben wird.

Selbsttest für Einsteiger

Der einfachste Einstieg: ChatGPT, Perplexity oder Gemini nicht mit „Was ist unser Unternehmen?“ befragen, sondern so, wie es echte Kund*innen tun würden:

  • „Welche Anbieter gibt es für [Problem] in Österreich / DACH / Europa?“
  • „Was weißt du über [Name des Start-ups / Produkts / der Gründerin]?“
  • „Welche Alternativen zu [unserem Produkt] gibt es und worin unterscheiden sie sich?“
  • „Welche Lösung eignet sich für ein Unternehmen, das [konkretes Problem] lösen möchte?“
  • „Welche Quellen hast du für diese Empfehlung verwendet?“

Wichtig: dieselben drei bis fünf Kernfragen anonym in mehreren Tools testen. ChatGPT, Gemini und Perplexity liefern oft unterschiedliche Antworten – und genau diese Unterschiede zeigen, wie klar die eigene digitale Präsenz bereits ist. Der genaue Blick lohnt sich: Was stimmt? Was ist falsch oder veraltet? Welche Mitbewerber und Quellen werden genannt? Wird der eigene Nutzen klar erklärt?

Für größere Unternehmen ein zusätzliches Gedankenexperiment: Wäre die Website morgen einen Tag offline – gäbe es trotzdem genug Informationen im Netz, damit eine KI das Unternehmen versteht?

Drei Hebel für Relevanz

  1. Kundenfragen: Was kostet es, für wen eignet es sich, wie unterscheidet es sich von anderen Lösungen? Die zehn wichtigsten Fragen sammeln und die drei kaufentscheidenden davon klar beantworten bringt oft mehr als jede Werbebotschaft.
  2. Zitierfähige Expertise: Statt „Wir entwickeln innovative Lösungen“ überzeugt: „Unsere Software automatisiert die Rechnungsprüfung für KMU, 18 Pilotkund+innen nutzen sie bereits, die Prüfzeit sinkt von 12 auf 4 Minuten.“ Konkrete Zahlen und Ergebnisse sind das, was eine KI zitieren kann – vage Marketingsprache nicht.
  3. Konsistenz: Website, LinkedIn, Gründer*innenprofil und Medienartikel sollten dieselbe Geschichte erzählen, nicht sechs verschiedene Versionen der eigenen Positionierung.

Sichtbar auch ohne eigene Website

Viele Start-ups laufen fast ausschließlich über Social Media – das ok, wenn Profile als digitale Visitenkarten verstanden werden, nicht als reine Ankündigungskanäle. Statt „Great things are coming“ lieber gleich Substanz zeigen, etwa mit „5 Fehler, die kleine Hotels bei der Dienstplanung machen“. Auch Gründer*innen selbst sichtbar zu machen – über LinkedIn-Beiträge, Interviews oder Gastbeiträge – stärkt das Bild, das eine KI vom Unternehmen zeichnet. Zusätzlich helfen Partnerseiten, Branchenverzeichnisse oder Medienberichte.

Technik ohne Technik-Sprache

Wichtige Inhalte müssen für Suchmaschinen und KI-Bots lesbar sein – nicht versteckt hinter Logins, Slidern oder ausschließlich in Bildern und Videos. Entscheidende Aussagen gehören als klarer HTML-Text mit Überschriften auf die Seite. Autor*innen und Gründer*innen sollten namentlich sichtbar sein, Auszeichnungen und Referenzen in Textform erklärt werden statt nur als Logo zu stehen.

PR und Monitoring – mehr als die Kür

KI-Sichtbarkeit entsteht auch dadurch, wie andere über ein Unternehmen sprechen: Medienberichte, Podcasts oder Branchenportale liefern Belege, die auch Maschinen verarbeiten können. Weil sich Antworten laufend verändern, lohnt sich eine einfache Routine: zehn relevante Prompts festlegen und regelmäßig in zwei oder drei Tools testen, wer vorkommt, wie beschrieben wird und welche Quellen genannt werden.

Denn am Ende zählt eine einzige Frage: Versteht eine KI mein Unternehmen gut genug, um es zu empfehlen?

Maria Wedenig ist Managing Partner und Senior Consultant bei ikp Wien.