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Fokus Nachhaltigkeit: Reporting ist kein Selbstzweck, sondern Strategie

Georg Rogl, Director für Climate Change & Sustainability Services bei EY Österreich

Die regulatorische Landschaft in Bezug auf nachhaltiges Handeln hat sich in den vergangenen Monaten rasant gewandelt. Zwischen neuen ESRS-Standards und dem vieldiskutierten „Omnibus-Paket“ zur Entlastung von Unternehmen stellt sich die Frage: Wo stehen wir heute? Wir haben bei Georg Rogl, Director für Climate Change & Sustainability Services bei EY Österreich, einem der führenden Beratungsunternehmen, nachgefragt.

ikp: Herr Rogl, blicken wir kurz zurück: Die Einführung der CSRD und der ESRS-Standards hat viele Unternehmen vor enorme Herausforderungen gestellt. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage Anfang 2026 ein?

Georg Rogl: Wir befinden uns in einer Phase der Konsolidierung. Nach der ersten großen Welle der Verunsicherung ist das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Unternehmenspraxis angekommen. Unsere aktuellen Analysen zeigen, dass bereits über 80 Prozent der berichtspflichtigen Unternehmen in Österreich die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) anwenden, obwohl dazu bisher noch keine Verpflichtung bestand. Davon lassen sich über 85 Prozent extern prüfen. Die Lernkurve war steil und die Qualität der Berichte nimmt spürbar zu.

ikp: Ein großes Schlagwort der vergangenen Monate war die „Omnibus-Verordnung“. Was bedeutet dieses Vereinfachungspaket konkret für die Betriebe?

Georg Rogl: Das Omnibus-Paket ist ein klares Signal der EU für mehr Praxistauglichkeit und weniger Bürokratie. Es geht darum, Berichtspflichten effizienter zu gestalten, ohne die Ambitionen des Green Deals zu opfern. Konkret wurden Schwellenwerte angepasst und Doppelgleisigkeiten zwischen verschiedenen Regelwerken wie CSRD, der Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) und der Taxonomie abgebaut. Für viele Unternehmen bedeutet das ein Aufatmen bei den Datenpunkten: Weniger „Pflicht-Häkchen“, dafür mehr Fokus auf das Wesentliche. Noch sind die neuen Regelungen nicht final in Kraft getreten. Die Vereinfachungen werden jedoch spürbar sein, da etwa 70 Prozent der Datenpunkte aus den ESRS wegfallen.

ikp: Was ist für Unternehmen jetzt, in dieser Übergangsphase, besonders wichtig?

Georg Rogl: Mein Rat ist klar: Die gewonnene Zeit durch die Omnibus-Erleichterungen darf nicht als Stillstand missverstanden werden. Unternehmen sollten die Atempause nutzen, um ihre Mess- und Berichtsprozesse zu professionalisieren. Es geht weg von der reinen Compliance-Übung hin zur strategischen Steuerung. Die neuen Berichtsstandards liegen vor. Unternehmen können sich also schon gut mit ihnen vertraut machen und Umsetzungsschritte einleiten, auch wenn punktuell noch Anpassungen möglich sind.

ikp: Viele Unternehmen sehen im Reporting vor allem eine Pflicht. Wie kann man kommunikativ davon profitieren?

Georg Rogl: Eine gute Nachhaltigkeitskommunikation ist weit mehr als das Veröffentlichen von Tabellen. Sie ist ein Instrument für das Stakeholder-Management. Wer transparent zeigt, wie er Risiken wie den Klimawandel managt und welche Chancen die Transformation bietet, stärkt das Vertrauen bei Banken, Investor*innen, bei den eigenen Mitarbeitenden und bei den Kund*innen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist ein glaubwürdiger Nachhaltigkeitsbericht ein mächtiges Argument im Employer Branding. Aber Vorsicht: Die Greenwashing-Regeln sind strenger denn je. Substanz ist die einzige Versicherung gegen Reputationsschäden.

ikp: Wagen wir zum Schluss einen Ausblick: Was kommt in den nächsten Monaten auf uns zu?

Georg Rogl: Wir kommen aus einer Phase der Verunsicherung in eine mit mehr Klarheit. Der Fokus wird weiterhin bei den Themen Klima, eigene Mitarbeitende und Governance bleiben. Daher macht es viel Sinn, sich hier schon vorzubereiten. Mein Ausblick für 2026: Wir werden ein stärkeres Interesse von Banken und Investoren sehen, da dieser Sektor strengere Regelwerke umsetzen muss. Gelebte Nachhaltigkeit wird „Business as usual“ – und das ist auch gut so, denn nur was man messen kann, kann man auch lenken.

 

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