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Der ESG-Boom ist vorbei – und das ist eine gute Nachricht

Nachhaltigkeitskommunikation

Wer gehört werden will, braucht ehrliche Zahlen und die Bereitschaft, auch über Rückschläge zu sprechen.

Nachhaltigkeitskommunikation hat sich gewandelt: Wer gehört werden will, braucht keine strahlenden Bekenntnisse mehr, sondern belegbare Fakten, ehrliche Zahlen und die Bereitschaft, auch über Rückschläge zu sprechen.  

Keine Keynote, die ohne „Net Zero bis 2040″ auskommt. Kein Jahresbericht, der nicht mit üppig bebilderten Nachhaltigkeitskapiteln aufwartet. Die Selbstverständlichkeit, mit der Unternehmen Verantwortungsbotschaften ins Schaufenster gestellt haben, gehört inzwischen einer anderen Zeit an. Es wäre aber ein Fehler, daraus zu schließen, dass Nachhaltigkeitskommunikation an Bedeutung verloren hat. Das Feld ist vielmehr reifer und anspruchsvoller geworden.   

Lange hat es gereicht, die richtige Haltung zu signalisieren. Botschaften wie „Wir übernehmen Verantwortung.“ oder „Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen.“ haben Hochglanzbroschüren und Instagram-Feeds gefüllt. Heute möchte die Öffentlichkeit wissen: Was wurde konkret umgesetzt? Was hat es gebracht und was kommt als Nächstes? Konsument*innen, Journalist*innen, Mitarbeitende und Investor*innen haben gelernt, zwischen Versprechen und Belegen zu unterscheiden. Wer heute sagt „Wir sind nachhaltig“, erntet bestenfalls Skepsis – schlimmstenfalls den Greenwashing-Vorwurf.   

Ein wesentlicher Treiber für mehr Substanz in der Nachhaltigkeitskommunikation ist die zunehmende Regulierung. Die hohen Anforderungen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) an Datenqualität, Wesentlichkeitsanalyse und Einbindung der gesamten Wertschöpfungskette überfordern oftmals, gleichzeitig eröffnet die regulatorische Notwendigkeit eine Chance: Wer den Berichtsprozess ernst nimmt, legt die Grundlage für glaubwürdige, belegte Kommunikation – und entkoppelt sie von Marketing-Logiken.  

Viel getan, wenig erzählt: Die Wahrnehmungslücke 

Ein hartnäckiges Paradoxon in der Nachhaltigkeitskommunikation: Viele Unternehmen tun mehr, als die Öffentlichkeit wahrnimmt. Investitionen in Kreislaufwirtschaft, Lieferkettentransparenz, Dekarbonisierungspfade, soziale Maßnahmen – all das passiert oft ohne kommunikative Begleitung, weil man keine „unfertige“ Botschaft nach außen tragen will.   

Die gute Nachricht für Unternehmen: Der gesunkene Geräuschpegel macht echte Botschaften lauter. Wer konkrete Projekte kommuniziert statt allgemeiner Claims, wer Zahlen, Fortschrittsgrade und Zielpfade nennt statt Schlagworte, wer transparent über Grenzen und schwierige Entscheidungen spricht, statt glatte Erfolgsnarrative zu konstruieren, fällt positiv auf.   

Genau hier liegt eine der zentralen Aufgaben von Nachhaltigkeitskommunikation: das präzise, belegbare und kontextualisierte Sichtbarmachen von echten Fortschritten. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber nicht. Es erfordert eine enge Verzahnung von Kommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement, klare interne Datenprozesse und vor allem die Bereitschaft und den Mut, auch über offene Baustellen und Trade-offs zu sprechen – denn Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Nachvollziehbarkeit. Daher im Umkehrschluss auch lieber bremsen, wenn die Substanz der Botschaft fehlt.   

Nachhaltigkeitskommunikation beginnt nicht im Redaktionsplan, sondern in den Datensystemen – und endet nicht mit der Veröffentlichung eines Berichts, sondern mit der Frage: Was haben wir verändert, und wie machen wir das sichtbar?

 

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Titelbild von kazuend bei Unsplash