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Wer braucht noch Google, wenn ChatGPT antwortet?

GEO

Julia Ruff über GEO, verändertes Suchverhalten und die Zukunft von PR im KI-Zeitalter.

Julia Ruff, Senior Consultant und Verantwortliche für den Bereich Digitale Innovation & KI bei ikp Wien, beleuchtet im ikp Expert*innen Talk, wie sich das Suchverhalten durch KI-Tools verändert und welche Rolle Generative Engine Optimization (GEO) künftig für PR, Content und Sichtbarkeit spielt. 

Erlebst du, dass Kund*innen explizit nach GEO-Optimierung fragen – oder kommt der Impuls noch von der Agentur?

Julia Ruff: KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini, Perplexity und Co. sind (vorerst) gekommen, um zu bleiben. Dass diese neue KI-Welle kein vorübergehender Trend ist, ist mittlerweile im Bewusstsein vieler Kund*innen angekommen. Natürlich darf man hier nicht übersehen, dass Google nach wie vor mit fast 80 % aller digitalen Suchanfragen weltweit dominiert. Dennoch stellt ChatGPT mit einem Anteil von mittlerweile 17 % an den Suchanfragen eine immer wichtiger werdende Alternative zur klassischen Google Search dar – und die Zeichen stehen auf Wachstum.

Das Suchverhalten der User*innen verändert sich; daher ist es auch für Unternehmen wichtig, sich Gedanken zu machen, wie sie ihre Inhalte so gestalten, dass sie von KI gefunden, ausgelesen und als vertrauenswürdige Quelle in den Antworten zitiert werden. Das merken wir auch in den vermehrten Anfragen von bestehenden und Neukund*innen. Passend dazu ein bekanntes Zitat des Usability-Pioniers Jakob Nielsen: “Being ignored by AI is like being on page two of a Google SERP in the old days.”

Wie verändert GEO die Art, wie PR-Texte und Pressemitteilungen verfasst werden sollten?

Julia Ruff: PR-Texte müssen deutlich strukturierter, faktenbasierter und präziser formuliert sein – weg von unnötigem Marketing-Sprech hin zu Zahlen, Daten, Fakten. KI-Systeme bevorzugen Inhalte, die klar gegliedert und verständlich sind und idealerweise die Suchintention der User*innen direkt beantwortet. Das bedeutet: weniger Floskeln, mehr Substanz. Inhalte, die zu werbelastig, zu generisch oder – gar zu KI-generiert – klingen, werden abgestraft. Natürlich geht es nicht darum, den Texten jede Kreativität zu nehmen und nur noch kalte, harte Fakten zu liefern – hochwertiger Content ist immer noch das oberste Ziel. Doch damit die Zielgruppe eine kreative Headline überhaupt wahrnimmt oder sich von einer pointierten Metapher angesprochen fühlt, müssen Inhalte zuerst vor dem neuen Gatekeeper KI bestehen.

Welche Inhalte oder Formate werden von KI-Suchmaschinen bevorzugt aufgegriffen?

Julia Ruff: KI-Sprachmodelle greifen bevorzugt auf Inhalte zurück, die strukturiert und vertrauenswürdig sind und aus denen Daten leicht extrahiert werden können. Dazu zählen vor allem:

  • erklärende Inhalte (How To’s, Tipps, Checklisten)
  • FAQ-Abschnitte
  • Listen & Bulletpoints
  • Kurze, prägnante Absätze
  • Studien, Whitepaper
  • datenbasierte Inhalte mit klaren Quellen
  • aktuelle, relevante und gut kontextualisierte Themen

Wichtig ist außerdem die Autorität der Quelle: Grundlage dafür ist das E-E-A-T-Prinzip (Experience, Expertise, Authority, Trust), nach dem Google Inhalte bewertet. Unternehmen sollten deshalb darauf hinarbeiten, in für sie relevanten Themenbereichen Thought Leader zu werden. Wer konsistent zu klar abgegrenzten Themenbereichen veröffentlicht, stärkt seinen Expertenstatus und erhöht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, in KI-generierten Antworten integriert zu werden. 

Welchen Fehler machen PR-Agenturen bei GEO am häufigsten?

Julia Ruff: Ein häufiger Fehler ist, GEO als kurzfristigen Trend zu betrachten oder isoliert zu denken. Viele unterschätzen, dass die Basis nach wie vor hochwertiger Content ist und es nicht darum geht, die Inhalte in Zahlen- und Faktenfriedhöfe zu verwandeln. Wer versucht, Inhalte rein für KI zu „optimieren“, ohne echten Mehrwert zu liefern, wird langfristig nicht erfolgreich sein. Ebenso falsch ist es, SEO und PR in getrennten Silos zu denken – dabei wachsen beide Disziplinen im Kontext von GEO immer stärker zusammen. Erfolgreiche Inhalte müssen heute gleichzeitig PR-Story und suchmaschinen- bzw. KI-tauglich sein. 

Wird GEO irgendwann SEO ablösen, oder werden beide Disziplinen koexistieren?

Julia Ruff: Wichtig ist: GEO ist kein Ersatz für SEO, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung. Auch wenn sich GEO rasant entwickelt, bleibt SEO ein zentrales Fundament und wird nicht verschwinden – SEO ist die Grundlage für Sichtbarkeit, auch für KI. Denn KI-Antworten kommen nicht aus dem Nichts – sie basieren auf Inhalten, die im Web verfügbar sind. Durch gutes SEO wird Content besser indexiert, ist leichter auffindbar und wird dadurch öfter von KI-Systemen berücksichtigt. Eine Top-Platzierung in den Suchergebnissen ist also nach wie vor relevant – doch zusätzlich geht es jetzt darum, in KI-generierten Antworten genannt, zitiert oder empfohlen zu werden.

 

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Titelbild (c)ikp