Ein Gruppenfoto vom Branchenevent. Drei Logos, fünf Hashtags und der Satz: „Danke für den inspirierenden Austausch.“ Der Termin ist dokumentiert. Nur der Gedanke, der diesen Tag für andere interessant machen könnte, fehlt. Das ist kein Argument gegen Eventfotos oder Ähnliches. Merkwürdig wird es erst, wenn Menschen auf LinkedIn ständig zu sehen sind, aber kaum je zu Wort kommen. Man kennt ihre Gesichter und Jobtitel. Wofür sie aber fachlich stehen, bleibt meist offen.
Dabei sind persönliche Profile auf LinkedIn relevanter als oft vermutet. Nicht nur Menschen suchen nach Expertise, sondern zunehmend auch KI-Systeme, die diese Inhalte in ihren Antworten sichtbar machen. Einer Auswertung von Meltwater und LinkedIn zufolge ist LinkedIn eine der meistzitierten Informationsquellen in KI-Modellen wie Copilot, Google AI und Claude.
Drei Viertel der untersuchten LinkedIn-Quellen in KI-Antworten führten zu persönlichen Profilen, nicht zu Unternehmensseiten. Mehr als die Hälfte der zitierten Autor:innen hatte weniger als 10.000 Follower:innen. Eine riesige Community macht also noch keine relevante Stimme. Und eine überschaubare Reichweite verhindert sie nicht.
Trotzdem behandeln viele Unternehmen persönliche Profile wie kleine Außenstellen der Unternehmensseite. Der offizielle Beitrag wird geteilt, dazu ein „Sehenswert!“ oder drei applaudierende Emojis. Formal hat ein Mensch gepostet. Inhaltlich hätte der Beitrag genauso gut vom Unternehmensaccount kommen können.
Welche Beiträge schaffen es also eher in KI-Antworten? LLMs zitieren auf LinkedIn bevorzugt Originalbeiträge, datenbasierte Meinungen und Beiträge zu Nischenthemen. Führungskräfte haben dabei offenbar einen Sichtbarkeitsvorteil – das heißt aber nicht, dass nur sie posten sollten: Relevante Praxiserfahrungen, klare Positionen und eigene Beobachtungen können auf jeder Ebene wertvoll sein. Oft reicht schon ein eigener Gedanke: Wo sieht die Praxis anders aus als die Theorie? Welche Entscheidung würde man heute anders treffen?
Die Kommunikationsabteilung kann unterstützen, indem sie Themen und Fakten liefert, sollte aber keine fertigen Einheitstexte vorgeben. Denn glaubwürdige Kommunikation braucht eigene Stimmen, unterschiedliche Perspektiven und den nötigen Freiraum. Entscheidend ist deshalb nicht nur, Mitarbeitende zum Posten zu bringen, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem sie etwas zu sagen haben, es sagen dürfen und dabei unterstützt werden. Denn sichtbar wird damit nicht nur die einzelne Person, sondern auch die Expertise, die im Unternehmen steckt.
Quellenbasis der Zahlen: Meltwater und LinkedIn, Auswertung von rund 9,5 Millionen Quellenangaben in KI-generierten Antworten.
Bild mithilfe von ChatGPT erstellt.