ikp-Expertin Teresa Kainz-Pichler über Influencer Relations als PR-Disziplin – authentisches PR-Tool, aber gewusst, wie.
Teresa Kainz-Pichler ist Senior Consultant bei ikp Graz & Wien. Im ikp Expert*innen Talk gibt sie Einblicke in die do’s und don’ts bei Kooperationen mit Content Creators. Und da gibt’s einige.
Wie überzeugst du Kund*innen, die Influencer Relations noch skeptisch gegenüberstehen, vom Mehrwert der Disziplin?
Teresa Kainz-Pichler: Influencer*innen haben die Fähigkeit, Botschaften in einer besonders authentischen Art und Weise zu vermitteln. Sie testen Produkte und Dienstleistungen vorweg und geben ihren Followern ehrliches, echtes Feedback – authentische Mundpropaganda, allerdings über den Handyscreen.
So nahe und „lebendig“ kommt man anderweitig nicht an die Zielgruppen ran. Und diese geben in Kommentaren oder mit Story-Reactions auch direkt Rückmeldung. Die Creators übernehmen somit auch einen Service-Charakter.
Im Idealfall werden Produkte nicht einfach in die Kamera gehalten, sondern mit Storytelling in den Alltag integriert. Und zwar so, dass es Lust macht, das Produkt gleich selbst auszuprobieren.
Wie wählst du die oder den richtige*n Influencer*in für eine Marke aus? Worauf achtest du jenseits der Followerzahl?
Teresa Kainz-Pichler: Followerzahl ist Bronze, Reichweite ist Silber und Engagement ist Gold. Wir wollen mit Influencer Kooperationen nicht nur in den Wald hinein rufen, sondern ein Echo erzeugen. Wir wollen die richtigen erreichen, die relevante Zielgruppe – nicht einfach VIELE.
Darum schauen wir uns die Stats ganz genau an: Wie performen die Beiträge, gibt es viele saves und shares? Kommentiert die Community und wird auf diese Kommentare von den Creators geantwortet? Dazu kommen noch demografische Besonderheiten – sind Produkte unserer Kunden zum Beispiel nur am österreichischen Markt erhältlich, bringen uns Kooperationspartner*innen mit großteils deutscher Followerschaft wenig.
Neben den Zahlen geht’s natürlich auch immer um den Menschen: Läuft auf dem Kanal des Creators eine Dauerwerbesendung oder gibt’s ausgewählte Koops mit individuellem Storytelling? Mit welchen Marken wird zusammengearbeitet (wichtig: Konkurrenz-Check) etc.
Wie viel kreative Freiheit sollte beim Influencer belassen werden – und wo sind Grenzen sinnvoll?
Teresa Kainz-Pichler: Briefings sind keine Leitlinie, sondern geben den Rahmen vor. Bare Minimum ist neben der richtigen Schreibweise des Unternehmens auch, dass Wordings integriert werden. Denn im Vorfeld legen wir fest, welche Botschaften wichtig sind.
ABER! Die Creators wissen selbst am besten, welche Inhalte auf ihrem Kanal performen. Sind die Vorgaben zu starr, wirkt der Content nicht authentisch. Die Reels performen nicht, die Community ist skeptisch. Das wollen wir vermeiden.
Welche vertraglichen Absicherungen sind im Influencer-Bereich unverzichtbar?
Teresa Kainz-Pichler: „Was liegt, das pickt“ – darum setzen wir auf Kooperationsverträge, das ist absolut branchenüblich.
Vielleicht ein wenig fad, aber wichtig: Die W-Fragen. Wo (Plattform), wann (Timing), was (Content muss durch Freigaben!), wie (Reels, Stories etc.). Etwas juristischer gesprochen, halten wir in unseren Verträgen u.a. den Leistungsumfang, Sonderausgaben wie An- und Abreise oder Materialbesorgungen, Urheberrechte und Kennzeichnungspflichten fest.
Die Basis ist bei allen Verträgen gleich, kann aber um Punkte wie Konkurrenzschutz, Buyout-Spezifika oder Verschwiegenheitsklauseln erweitert werden.
Wie wird sich Influencer Relations in den nächsten fünf Jahren verändern?
Teresa Kainz-Pichler: Influencer Relations ist mittlerweile hoch professionalisiert. Eine spannende Entwicklung ist der Weg weg vom Produkt-Sponsoring hin zu echter Co-Creation. Viele Influencer*innen designen gemeinsam mit Brands Produkte oder bringen ganz eigene Kreationen auf den Markt. So hat die Community die Möglichkeit, sich einen Teil der Person direkt nach Hause zu holen; Nähe wird geschaffen. Das zeigt sich auch beim großen Run auf Influencer Events, Get-togethers & Co.
KI mischt in der Influencer Bubble stark mit: Einerseits in der Analyse von Daten, andererseits bei der Content Produktion selbst (Achtung, Kennzeichnungspflicht!). Der ECHTE Mensch wird immer wichtiger, zeitgleich die Anforderungen immer höher im Kampf um Aufmerksamkeit auf Social Media.
Virtuelle AI-Influencer*innen fungieren vor allem im englischsprachigen Raum bereits als hocheffiziente Markenbotschafter*innen für digitale Nischen, während unperfekte, echte Menschen genau dadurch nur noch wertvoller werden. Ich bin der Überzeugung: Relevanz sticht Reichweite aus. Echtes Vertrauen ist der Weg und das Ziel. Langfristig!
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